Religion und Gesellschaft
„Verständnis, Toleranz und aufeinander zugehen sind unabdingbar“
"Gesellschaft und Religion“ Thema beim „Trialog der Kulturen“ an der BBS II
Theologisch
Der reformierte Theologe Karl Barth, einer der herausragenden protestantischen Denker des 20. Jahrhunderts, verfasste 1946 seine Schrift „Christengemeinde und Brüdergemeinde“. Auf dem Hintergrund des NS-Regimes grenzte Barth bewusst Kirche und Staat nicht voneinander ab, sondern er wollte durch den gemeinsamen Begriff „Gemeinde“ auf die positiven
Beziehungen zwischen den in beiden Gemeinschaften (Kirche und Staat) lebenden Menschen, die mehrheitlich sogar deckungsgleich sind, hinweisen. Totalitäre politische Systeme haben immer die Tendenz, Kirche und Staat voneinander zu „trennen“, ob das in unserer jüngsten Vergangenheit der Faschismus oder der DDR Kommunismus war. Barth war 1946 auf dem Hintergrund der NS-Katastrophe daran gelegen, die positiven Beziehungen zwischen den beiden sich ergänzenden „Gemeinden“ zu betonen.
Praktisch
So war es nur konsequent in der neuen Demokratie der Bundesrepublik das „Subsidiaritätsprinzip“ (d.h. Eigenverantwortung steht vor staatlichem Handeln) als rechtliches und politisches Ordnungsprinzip in Kirche und Staat zu installieren. Gesellschaft und Religion, Staat und Kirche, sind gewissens- und glaubensmäßig getrennt, ergänzen sich aber dort, wo eigenständiges und verantwortliches Handeln der „Christengemeinde“ staatliches Handeln nachrangig werden lassen kann. Die praktische Trennung von Kirche und Staat, von Gesellschaft und Religion, ist deswegen nach wie vor gegeben, übersieht dabei aber nicht, dass unsere Kultur und unsere Rechtsordnung auf christlicher Tradition beruhen und eine gegenseitige Ergänzung, sofern sie von staatlicher Seite gewünscht ist, einen Vorteil für Alle mit sich bringt.
Islam gehört zu Deutschland
Votum der Podiumsteilnehmer
In diesem Sinne war auch das Votum von Daniel Nemirovsky, Geschäftsführer der Jüdischen Kultusgemeinde der Rheinpfalz, zu verstehen. Er wies unter Zustimmung der anderen Teilnehmer auf die Intention der Schöpfungsgeschichte hin: Gott schuf Pflanzen, Tiere und Menschen in einer wahren Vielfalt, so dass es letztendlich mehr als logisch sei, dass Menschen aus verschiedenen Gegenden und damit Erfahrungswelten ihre verschiedenen religiösen Vorstellungen, um die Welt und den Sinn und das Ziel des Lebens zu erklären, formuliert hätten. Diese Pluralität der Glaubensvorstellungen dürfte nicht in Konkurrenz zueinander stehen. Vielmehr sollten sie sich gegenseitig ergänzen, um so das Miteinander von „Bürgergemeinde und
Christengemeinde“ (Karl Barth) zu bestärken. So können Gesellschaft und Religion miteinander in einer „win-win“-Situation gemeinsam arbeiten und leben. Dass dazu Verständnis, Toleranz und das aufeinander zugehen unabdingbar sind, versteht sich von selbst.